31.10.2014

Volles Haus und viele Fragen am 8. Interdisziplinären Mamma-Diskurs

Gut 80 Personen drängten sich am Freitag, dem 24. Oktober 2014 ab 16 Uhr im Wiener Novomatic Forum, um beim 8. Interdisziplinären Mamma-Diskurs dabei zu sein.

Neben zahlreichen ABCSG-Experten war auch der renommierte Gynäkologe Prof. Christian Jackisch aus Offenbach eingeladen und hielt einen sehr interessanten und lehrreichen Vortrag über systemische Therapieoptionen bei HER2-positiven Mammakarzinomen im metastasierten Setting. Einleitend lobte er die ABCSG, die für deutsche Studiengruppen als Vorbild dient, da man in anderen Ländern nicht so viele PatientInnen in Studien finden kann.

HER2+ Mammakarzinom

Nach einem umfassenden Überblick über die Therapieoptionen und Studien sowie deren Bedeutung für den Therapiealgorithmus zog Prof. Jackisch die Conclusio, dass das Wissen bei onkologischen Therapien im Allgemeinen und beim Mammakarzinom im Besonderen ohnehin nur von Kongress zu Kongress besteht. Neue Daten können ganze Therapien verändern, obwohl diese sich natürlich rascher ändern als man die Therapie letztendlich anpassen kann. Und auch mit besseren Therapien können sich neue Probleme ergeben – etwa mit Herceptin subkutan, das natürlich von der Compliance her ein Segen ist. Wenn allerdings eine Doppelblockade nötig wird, ist es kaum möglich, die PatientInnen zu überzeugen, von der subkutanen Therapie abzugehen. Dieses Problem ist in Österreich und Deutschland gleichermaßen vorhanden, wir ABCSG-Präsident und Moderator des Abends, Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant und Prof. Jackisch gemeinsam festhielten.

Danach eröffnete OA Dr. Ferdinande Haslbauer aus Vöcklabruck die Reihe „Der interessante Fall“, und auch ABCSG-Vorstandsmitglied Univ.-Prof. Dr- Herbert Stöger aus Graz sowie Dr. Simon Gampenrieder aus Salzburg präsentieren spannende Fälle mit unerwarteten Entwicklungen aus der klinischen Praxis.

HER2 Mammakarzinom

Der zweite Block war dem HER2-negativen Mammakarzinom gewidmet und ABCSG-Vorstandsmitglied Univ.-Prof. Dr. Christian Singer gab gut verständlich einen Überblick über BRCA-Mutationen und über deren Vererbungswege. Auch für die schon positiv votierte ABCSG-Studie 41/OlympiA, die ein Hochrisiko-PatientInnenkollektiv einschließt, rührte er die Werbetrommel und kündigte auch das nächste Projekt der ABCSG an, ABCSG 44/Brightness, das sich ebenfalls an triple-negative Mammakarzinom-Patientinnen richtet.

Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Bartsch erläuterte danach die Rolle der endokrinen Therapie und gab einen Einblick in ihre historische Entwicklung. Dann wurden Vor- und Nachteile sämtlicher Aromatase-Inhibitoren aufgelistet und die dazu verfügbaren Studiendaten erörtert. Der versierte Onkologe ging natürlich auch auf mTOR und PI3K-Mutationen ein, und gab zum Abschluss zu bedenken, dass neue Therapien auch neue Nebenwirkungen bedeuten, mit denen man sich auseinandersetzen muss.

„Wenn Kollege Bartsch so viel über PI3-Kinasen erzählt, dann muss man sich damit beschäftigen“, schmunzelte Priv.-Doz. Dr. Peter Dubsky beim Betreten des Podiums und eröffnete so seinen Vortrag über neoadjuvante Studien in Österreich, die sich mit PI3K-Inhibition beim ER+/HER primärem Mammakarzinom beschäftigen. Das bezieht vor allem zwei neue Projekte der ABCSG ein, die bereits laufende Studie ABCSG 40 und die demnächst startende ABCSG 38/Lorelei.

Den Abschluss der Einzelvorträge machte ABCSG-Vorstandsmitglied Univ.-Prof. Dr. Günther Steger, und er brachte als neue Therapieoption beim Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom die CDK 4/6-Inhibition ins Spiel. Nach einem fundierten Überblick über die Einsatzmöglichkeit, Nebenwirkungen, Studienlage und Publikationen musste man allerdings zum Schluss kommen, dass ein Ausblick auf die weiteren Möglichkeiten schwierig ist. Doch es wird eifrig weiter geforscht, so auch mit der geplanten Studie ABCSG 42/Pallas, die dank des unermüdlichen Einsatzes von Prof. Gnant auch nach Österreich geholt werden konnte.

Panel-Discussion: Des Kaisers neue Kleider

Bei der anschließenden Panel-Diskussion hatte nun auch das Publikum die Möglichkeit, sich einzubringen und Fragen an die Experten zu stellen. Hier war vielleicht die Freitag-Nachmittags-Müdigkeit Grund, dass aus dem Auditorium kaum Anregungen kamen. Umso intensiver debattierte allerdings das Panel unter sich, wie passend denn der absichtlich provokante Titel der Diskussion „The future is now oder des Kaisers neue Kleider“ eigentlich ist. Manche wollten den Kaiser wenigstens in Unterhosen sehen, andere gaben ihm sogar ein Unterhemd dazu, wenn auch ein ärmelloses. Prof. Jackisch warf ein, dass die Ärztinnen und Ärzte zufrieden werden, weil man die PatientInnen lange gut behandeln kann, man ist verwöhnt von HER2. Es gibt viele neue Ansätze, und der Weg ist mehrfach begehbar, man kann aus vielen Optionen wählen und dann auch noch kombinieren – es herrscht Verwirrung auf hohem Niveau. Bei der Bedeutung von BRCA gingen die Meinungen dann wieder auseinander, Prof. Bartsch glaubt nicht an eine große Relevanz, Prof. Singer hingegen bricht gleich eine Lanze für die BRCA-Bedeutung – doch dem ernüchternden Fazit des deutschen Gastreferenten mussten dann alle zustimmen: Es gibt die Testung zwar, aber die PatientInnen nehmen sie nicht in Anspruch. „Da fährt der Zug elegant an uns vorbei, wir müssen unsere edukativen Hausaufgaben machen!“, so Prof. Jackisch.

Von diesem Mamma-Diskurs konnte bestimmt zahlreiche BesucherInnen einige Hausaufgaben mitnehmen und schon beim anschließenden Buffet wurde die Vorfreude auf den nächsten Mamma-Diskurs laut – wir freuen uns, Sie auch im nächsten Jahr wieder begrüßen zu dürfen!

Bilder von der Veranstaltung

Freitag, 24. Oktober 2014
Wien, Novomatic Forum

Fotos: Barbara Krobath


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