29.06.2015

EXPERTS ON TOUR in Wien

Spannend und sachlich – EXPERTS ON TOUR® in Wien

Am 22. Juni 2015 fand im Austria Trend Hotel Park Royal Palace im 14. Wiener Gemeindebezirk die erste „EXPERTS ON TOUR®“- Veranstaltung in diesem Jahr statt.

Mit rund 70 TeilnehmerInnen war der Vortragssaal sehr gut gefüllt und auch Rednerpult und Podium waren hochkarätig besetzt.

Die beiden Vorsitzenden ABCSG-Präsident Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant und ABCSG-Vorstandsmitglied Univ.-Prof. Dr. Günther Steger begrüßten alle TeilnehmerInnen, Prof. Gnant stellte außerdem den neuen Fortbildungsfolder der ABCSG, PlusPunkt, vor, mit dem man vor Ort einen zusätzlichen DFP-Punkt generieren konnte. Das wurde von immerhin 41 Prozent aller TeilnehmerInnen in Anspruch genommen, die die Fragen zu den Vorträgen mehrheitlich korrekt beantwortet und den Fragebogen im Anschluss abgegeben hatten.

Paradigmenwechsel in der BRCA-Testung

Doch zuerst ging es um aktuelle Daten zum Mammakarzinom, die Univ.-Prof. Dr. Christian Singer nun als erster Referent dem Publikum mit einem Vortrag über die BRCA-Testung erläuterte. Nach einem kurzen allgemeinen Überblick über die Vererbungswege des BRCA-Gens und die Reparaturmechanismen der „game changers“ PARP (=Poly-ADP-Ribose-Polymerase)-Inhibitoren, lieferte Prof. Singer einen Überblick über für triple-negative PatientInnen relevante Studien und rief dazu auf, besonders in die adjuvante Olaparib-Studie ABCSG 41/OlympiaA einzubringen.
Durch die gBRCA Mutation ist nun auch eine Vorhersage zum Therapieansprechen möglich, daher ist die BRCA-Testung nun bei allen triple-negativen PatientInnen sinnvoll.

Aus dem Publikum kam die Frage nach dem idealen Alter für PARP-Inhibitoren, hier konnte der ABCSG-Experte feststellen, dass es keine Beschränkungen gibt, jüngere Frauen aber einen größeren Benefit haben.

Fulvestrant – zukünftige Therapiestrategien

Danach tauschte Prof. Steger den Präsidiumstisch gegen das Rednerpult und gab ein Update zu den Therapieoptionen mit Fulvestrant. Dazu fasste er sämtliche mit diesem Wirkstoff laufende Studien kompakt zusammen und wies auf die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten hin. Es tut sich auf diesem Gebiet sehr viel, jedoch wird man mit konkreten Empfehlungen noch einige Studien abwarten müssen.

ASCO-Highlights: Daten, Fakten, News

Auch OA Dr. Arik Galid vom Brustzentrum Hanusch sprach über Studien, allerdings gab er einen Überblick über die am ASCO (29.5.-2.6.) präsentierten Daten, zu denen auch der große Erfolg von ABCSG 18 gehörte. In seinem sehr amüsant gestalteten Vortrag wurden sämtliche aktuelle Ergebnisse angeschnitten, als Take-Home-Message fasste er zusammen, dass Bisphosphonate adjuvant jedenfalls eine gute Option sind, genauso wie Anastrozol beim duktalen Karzinom in situ. Die Kombination Fulvestrant und Palbociclib bringt vor allem beim hormonrezeptor-positiven, fortgeschrittenem Mammakarzinom einen Vorteil, Palbociclib und T-DM1 beim HER2-positiven Brustkrebs wiederum nicht. Auch hier zeigte sich, dass das Alter der Patientin oft ein entscheidender Faktor für das Ansprechen einer Therapie ist.

Case Report

Den Fall für die Panel-Discussion lieferte Dr. Stephanie Strobl, eine angehende Chirurgin aus Wien. Das Panel war mit Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Bartsch, Priv.-Doz. Dr. Peter Dubsky, Prim. Univ.-Prof. Dr. Leopold Öhler, OÄ Dr. Ursula Selim, Prim. Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda und OÄ Dr. Kathrin Strasser-Weippl hochkarätig besetzt – und der präsentierte Fall verlangte auch nach der Expertise dieses interdisziplinären Podiums.

Dr. Strobl stellte den Fall einer 54-jährigen Patientin mit hoher Tumorbelastung in der Mamma und den axillären Lymphknoten sowie Knochenmetastasen vor, bei der im weiteren Verlauf eine Peritoneal-Karzinose sowie ein Ileus zu einem permanenten Problem wurden. Nach der Zweitlinientherapie mit Everolimus und Exemestan plus Denosumab verbesserte sich der Zustand vorübergehend, bevor es wieder zu einem Anstieg der Tumormarker kam, mit Progression der ossären Metastasen, auch weitere Aszites-Punktionen waren notwendig.

Nach der Drittlinientherapie mit Xeloda und Avastin waren zumindest die gastrointestinalen Symptome stabil, die Tumormarker gingen zurück.
Einige Monate später stiegen sie wieder an, auch der Allgemeinzustand der Patientin verschlechterte sich wieder, die Viertlinientherapie mit Avastin, Vinorelbine und Navelbine blieb ohne Erfolg. Man entschloss sich zur Fünftlinientherapie mit Palbociclib plus Faslodex, wo aktuell der vierte Zyklus läuft. Die Patientin kann wieder Nahrung zu sich nehmen, die gastrointestinalen Beschwerden sind zurückgegangen, der Allgemeinzustand sowie die Leistungsfähigkeit hat sich verbessert.

Das Panel stimmte der jungen Ärztin zu, dass in diesem Fall die Verzweiflung der Behandler evident wird, vor allem, da die Patientin den ausdrücklichen Wunsch nach einer Therapie äußerte und mit Best Supportive Care nicht zufrieden war. Prof. Sevelda war sehr daran interessiert, wie die Behandler – Doz. Dubsky und Dr. Strobl – an Palbociclib gekommen sind. Diese räumten ein, dass sie über einen Monat verhandeln mussten und die Patientin in der Zwischenzeit fast gestorben wäre. Prof. Öhler hatte hier allerdings gegenteilige Erfahrungen gemacht und hielt fest, dass man diesen Wirkstoff im Moment sehr rasch von der Herstellerfirma erhalten kann.

„Dem Feuer entkommen“

Nach diesem ungewöhnlichen Fall und dem kollegialen Erfahrungsaustausch am Podium war es Zeit für das Focus-Thema von Univ.-Doz. Dr. Klaus Ratheiser. Kurz stellte sich der ehemalige Intensivmediziner vor, bevor er mit einigen Beispielen aus der Praxis das „schleichende Ausbrennen“ von Kollegen vor Augen führte und Tipps gab, wie man in seinem unmittelbaren Umfeld gegensteuern kann.
Auch die insgesamt 12 Stufen auf dem Weg ins Burnout beschrieb der mittlerweile als Coach tätige Experte und der eine oder die andere im Publikum mag sich hier vielleicht sogar schon im Umfeld der Stufen 5-7 wiedergefunden haben.
Doch mit Ehrlichkeit sich selbst und auch den anderen gegenüber kann man viel bewirken und Doz. Ratheiser bot dem Publikum an, für Fragen oder ein Gespräch im Anschluss zur Verfügung zu stehen. Mit diesem positiven Abschluss wurde das Publikum zum verdienten Buffet entlassen, bei dem noch ausführlich über die Vorträge des Abends diskutiert wurde.

Es war wieder ein vielseitiger und lehrreicher Abend bei EXPERTS ON TOUR®: Im November wird die ABCSG diese Veranstaltungsreihe gemeinsam mit dem Kooperationspartner AstraZeneca in Graz fortführen und eine neue Ausgabe von PlusPunkt für Sie vorbereiten – wir freuen uns, wenn Sie auch hier wieder mit dabei sind!

Bilder von der Veranstaltung

EXPERTS ON TOUR® in Wien
22.06.2015
Austria Trend Hotel Park Royal Palace
Schloßallee 8, 1140 Wien

Einladung EXPERTS ON TOUR® am 22.06.2015 in Wien


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