17.01.2014

1. Post-SABCS in Wien ein voller Erfolg

Am 10. Januar kamen über 200 TeilnehmerInnen ins Studio 44 am Rennweg, um die neuesten Daten des San Antonio Breast Cancer Symposiums beim 1. Post-SABCS kompakt vermittelt zu bekommen.

Im modernen Ambiente des Studio 44 versammelten sich an diesem sonnigen Nachmittag RapporteurInnen, DiskutantInnen und natürlich das interessierte Publikum, um sich zwischen den Informationsständen der SponsorInnen zu unterhalten und noch schnell einen Kaffee zu genehmigen, bevor es dann pünktlich um 14 Uhr los ging und ABCSG-Präsident Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant das Publikum im vollen Saal begrüßte.

SABCS – Das war der Mittwoch

Den Anfang machte Priv.-Doz. Dr. Peter Dubsky, der als Rapporteur den Mittwoch Vormittag zusammenfasste. Die Schwerpunkte lagen auf dem HER2-positiven Mammakarzinom sowie auf tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TILs), wobei es eine Zusammenschau verschiedener auf duale Blockadeformen basierende Studien gab (NeoALTTO, BETH). Interessant war die Erkenntnis, dass  TILs prognostisch bei triple-negativem Brustkrebs nach Chemotherapiebehandlung sind, es gibt also einen möglichen neuen Tumormarker (Studie GeparSixto bzw. ECOG 2197 und ECOG 1199) mit ausreichender analytischer Validität.

Über den Mittwoch Nachmittag sprach Priv.-Doz. Dr. Vesna Bjelic-Radisic aus Graz, es ging vor allem um die PRIME-2-Studie und die Fragestellung, ob man in bestimmten Situationen auf Bestrahlung verzichten kann oder nicht. Beim Gesamtüberleben gibt es keinen signifikanten Unterschied zu geben, bei der Lokalrezidivrate hingegen stehen 4,1% der Patienten ohne Bestrahlung 1,3% mit Bestrahlung gegenüber. Diese Frage wurde ja schon vor einem Jahrzehnt in der ABCSG-Studie 8a geklärt, vielleicht sogar auf höherem wissenschaftlichen Niveau. Axillamanagement-Studien aus Indien und der Türkei lieferten interessante Hinweise für ABCSG-28, denn in diesen Studien an PatientInnen mit metastasiertem Brustkrebs liefert eine Operation des Primärtumors mit Axilladissektion keinen Vorteil im Gesamtüberleben. Eventuell gibt es doch einen Benefit für die Subgruppe mit isolierten Knochenmetastasen, man wird jedenfalls die noch laufenden Studien abwarten müssen – vor allem muss auch überlegt werden, wie es mit 28 weitergeht.

Auch Daten über Tumorstammzellen erläuterte Prof. Bjelic-Radisic: Chemotherapien töten zwar die Tumorzellen, dadurch freigesetzte Botenstoffe signalisieren allerdings den Tumorstammzellen, ihr Wachstum zu verstärken. Fazit: Die Tumorstammzellen müssen getötet werden, um den Patienten wirklich zu heilen. Repartaxin (in Kombination mit Docetaxel) greift diese Stammzellen tatsächlich an, die weitere Entwicklung von Strategien, um Tumorstammzellen direkt zu attackieren sollte vorangetrieben werden.

SABCS – Das war der Donnerstag

Nach diesem übersichtlichen Vortrag war es auch schon Zeit für den Donnerstag Vormittag, über den Priv.-Doz. Dr. Michael Knauer, mittlerweile am Brustzentrum St. Gallen tätig, einen Überblick lieferte. ABCSG-15 (IBIS II) bestätigte die medikamentöse Prophylaxe mit Anastrozol bei high-risk-Frauen als Option, das Brustkrebsrisiko um 53% zu reduzieren. Das Langzeit-Follow-Up wird nun das gesamte Risiko-Nutzen-Profil von Anastrozol untersuchen müssen, da es zu einem signifikanten Anstieg von muskuloskelettalen Adverse Events kam, der allerdings auch in der Placebo-Gruppe auftrat. Danach beschäftigte sich Doz. Knauer mit den Nebenwirkungen von Aromatase-Inhibitoren und der daraus resultierenden Compliance. Je mehr Symptome auftreten, desto eher wird die endokrine Therapie abgebrochen – PatientInnen setzen vor allem beim Auftreten von Fatigue, Schlafstörungen und Vergesslichkeit die Therapie vorzeitig ab. Es zeigt sich, dass in der Praxis schon vor AI-Behandlung bestehende Symptome berücksichtigt werden müssen, um die Non-Compliance zu verringern.

Auch die HOPE-Studie, die die Auswirkungen von körperlicher Aktivität zur Prophylaxe von AI-induzierten Arthralgien untersucht, wurde angesprochen. Mögliche Impulse für die geplante EXERCISE-II-Studie ABCSG-C08 von Univ.-Prof. Dr. Josef Thaler lieferte das im Vergleich dazu reduzierte Trainingsprogramm, das mit 2 Einheiten à 2,5 Stunden pro Woche angeführt wurde. Arthralgien konnten damit schon um 30% verringert werden.

Dr. Simon Gampenrieder aus Salzburg referierte komprimiert die am Donnerstag und Freitag Nachmittag präsentierte translationale Spitzenforschung, in der es um Genexpressionsprofile und PI3K-Signaturen ging. So wurde gezeigt, dass die Differenzierung von PI3KCA-Mutationen hilfreich ist, da diese bei ca. 20% der HER2-positiven Tumoren zu finden sind und zu einer signifikant niedrigeren pCR-Rate führen (17% vs. 37%). Auch das Design von ABCSG-37/NeoPHOEBE basiert auf PI3K-Inhibitoren bei HER2- überexprimiertem Brustkrebs und randomisiert in zwei Kohorten einerseits PatientInnen mit PI3KCA-Mutationen und andererseits mit PI3KCA-Wildtyp.

SABCS – Das war der Freitag

Den Abschluss des ersten Blocks der Rapporteure machte Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Bartsch mit dem Freitag Vormittag. Dieser wurde vom metastasierten Mammakarzinom sowie von neoadjuvanten und postneoadjuvanten Therapieschemata bestimmt. Wie auch alle anderen Rapporteure davor, gestaltete Prof. Bartsch seinen Vortrag konzentriert und übersichtlich. Bei der postneoadjuvanten Therapie ist die Prognose bei PatientInnen ohne pCR nach neoadjuvanter Chemotherapie problematisch, klar evident hingegen bei aggressiven Subtypen und auch bei entsprechend großer Population von luminalen Tumoren. Es gibt derzeit keinen klar definierten Standard zur postneoadjuvanten Behandlung.

Nach dieser geballten Ladung an Information ging es in die wohlverdiente Kaffeepause, um sich mit kleine Happen für den zweiten Block an diesem Fortbildungsnachmittag zu stärken – die Analyse der DiskutantInnen und die Diskussionen mit dem Publikum, wie sich die eben gehörten Daten für die Praxis auswirken.

Die Diskussion beginnt

Durch zahlreiche angeregte Gespräche in der Pause etwas verzögert, fand sich das Publikum schließlich wieder im Vortragssaal ein und lauschte dem ersten Diskutanten des spätnachmittäglichen Blocks, OA Dr. Michael Hubalek. Sein Focus waren chirurgische Aspekte, natürlich kam auch das Axillamanagement zur Sprache. Es scheinen noch immer viele Fragen unbeantwortet – was man aber jedenfalls sagen kann, ist, dass die Operation nach wie vor einen zentralen Stellenwert in der Mammakarzinombehandlung hat, auch, wenn die Radikalität der Eingriffe immer mehr abnimmt. In der anschließenden Diskussion kommt von ABCSG-Vorstandsmitglied Univ.-Prof. Dr. Günther Steger der Vorschlag, die Rekrutierung bei ABCSG-28 zu vergrößern, was auch für Univ.-Prof. Dr. Christian Marth, ABCSG-Vizepräsident, sinnvoll wäre. Immerhin sei es auch wichtig, solche Studien in verschiedenen Regionen der Welt durchzuführen, da es lokal unterschiedliche Grundvoraussetzungen der Individuen gibt, die es zu berücksichtigen gilt. Bezüglich Axillamanagement will Univ.-Prof. Dr. Michael Stierer aus dem Publikum diese Debatte endlich beendet wissen. Als sich Doz. Knauer mit der bevorzugten Vorgehensweise an seinem neuen Arbeitsplatz in der Schweiz – hier wird bestrahlt – einbringt, entspinnt sich eine launige Debatte über die Eigenheiten der beiden Nachbarländer Österreich und Schweiz, in die sich auch Prof. Gnant als Moderator mit pointierten Bemerkungen einbringt.

Danach startete Prim. Univ.-Doz. Dr. Annemarie Schratter-Sehn, der vor allem die Daten der PRIME-2-Studie wichtig schienen. Den früher publizierten AMAROS-Ergebnissen möchte sie keinen endgültigen Glauben schenken, da die Praxis üblicherweise andere Daten liefert. Die Radiotherapeutin steht zu dem Standpunkt, dass alle PatientInnen über 40 Jahre nach hypofraktioniertem Regime behandelt werden  sollten, was Doz. Dubsky zu einer bewusst provokanten Frage verleitet: Da es im Zuge der PRIME-Studie nur zu einer überschaubaren Zahl von Lokalrezidiven gekommen ist, was hält MedizinerInnen davon ab, nicht zu bestrahlen und Rezidive abzuwarten, zu operieren und dann zu bestrahlen? Doz. Schratter-Sehn beruft sich hier auf die höhere Compliance bei StudienpatientInnen und will jedenfalls das 5-Jahre-Follow-Up abwarten.

Die Zukunft ist jetzt

Univ.-Prof. Dr. Günther Steger streut den RapporteurInnen Rosen und dankt ihnen für ihre exzellenten Leistungen bei den Präsentationen. Er selbst legt seinen Vortrag über „Chemotherapie und Targeted Therapies“ als Take-Home-Message an, da es nicht möglich ist, in wenigen Minuten die Fülle an SABCS-Daten zu besprechen. Nach einigen Bezugnahmen zum Vortrag von Dr. Gampenrieder und den damit verbundenen Studien (ABCSG-34, ABCSG-37) steht nach den enttäuschenden  BETH-Ergebnissen ein optimistischer Ausblick für die Rolle der Bisphosphonate im Raum. In der anschließenden Diskussion fasst Prof. Gnant zusammen, dass große, negative Studien, wie eben BETH, künftig vermieden werden müssen. ABCSG-Vorstandsmitglied Univ.-Prof. Dr. Christian Singer hebt die Wichtigkeit der translationalen Aspekte hervor und mahnt, den Schritt zur Adjuvans-Therapie nicht zu früh zu gehen. Man muss im neoadjuvanten Setting noch mehr Wissen sammeln und danach erst eine adjuvante Behandlung erwägen. In seinem anschließenden Vortrag über endokrine Therapie bei frühem Brustkrebs setzt er sich mit Brustkrebsprävention auseinander und mit der Einordnung der IBIS-II-Ergebnisse in Präventionsstudien. Ein längeres Follow-Up als nur drei Jahre wäre jedenfalls wichtig, um die auch unter Placebo aufgetretenen kardiovaskulären Ereignisse und Frakturen besser bewerten zu können. Bezüglich Abbruch der AI-Therapie geht Prof. Singer mit Doz. Knauer konform: Gibt es schon vor der Therapie mehr als zwei Symptome, verdoppelt sich das Abbruchrisiko während des ersten Jahres.

Guidelines und Breakthrough-Drugs

Prim. Univ.-Doz. Dr. Michael Fridrik aus Linz gab einen umfassenden Überblick über die aktuellen Guidelines, die es beim fortgeschrittenen Mammakarzinom zu beachten gilt, sowie die therapeutischen Herausforderungen. Da die rasche Reduktion der Tumormasse durch eine OP die residuellen Tumorzellen zu Wachstum stimuliert, plädiert man zur OP-Vermeidung des Primärtumors bei Metastasen (Ausnahme: lokale Komplikationen). Von einer neoadjuvanten Therapie profitieren pCR-PatientInnen, andernfalls kann eine adjuvante Chemotherapie angedacht werden, was vielleicht auch für das frühe Mammakarzinom eine Möglichkeit ist.

Von Prof. Gnant als „the Closer“ angekündigt, bildete Univ.-Prof. Dr. Christian Marth mit einem launigen Vortragsbeginn den Abschluss dieses intensiven Nachmittags. Er sprach über die optimale Strategie bei der systemischen Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms, wo vor allem Kombinationen von endokrinen Therapien zum Tragen kommen und auch die Rolle der mTOR-Antagonisten nicht unterschätzt werden darf. Die von der amerikanischen FDA 2013 zugelassenen „Breakthrough“-Drugs sind mit lediglich zwei Wirkstoffen recht überschaubar, es bleibt also weiterhin viel zu tun.

Pünktlich um 19 Uhr strömte das Publikum und die Vortragenden zum abwechslungsreichen, aber akademisch-bescheidenen Buffet, um sich nach diesem spannenden und lehrreichen, aber auch anstrengenden Freitag Nachmittag für den Small Talk zu stärken. Erstaunlich viele konnten von den anregenden Diskussionen nicht genug bekommen und gaben unisono positives Feedback zu dieser sehr gelungenen Veranstaltung. Die ABCSG sieht es als Auftrag, auch im nächsten Jahr alle, die nicht nach San Antonio fahren können, kompakt und kompetent über die dortigen Neuigkeiten zu informieren.

Fotogalerie

Fotos  © Nicole Heiling


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