Klinische Forschung muss Teil der onkologischen Regelversorgung sein – nicht nur an einzelnen akademischen Zentren
Das war eine zentrale Botschaft der Pressekonferenz des Österreichischen Onkologie Forums am 29. September, die Prim. Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO), eröffnete.
Die Zahl der Krebsneuerkrankungen wird in Österreich in den kommenden Jahren weiter steigen, gleichzeitig ist die Zahl klinischer Studien in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Klinische Forschung ist daher kein fakultatives Zusatzangebot einzelner akademischer Zentren, sondern muss grundlegender Bestandteil der onkologischen Versorgung sein, auch in der Flächenversorgung.
Vorteile für Patient:innen
Eine Studienteilnahme kann Patient:innen einen früheren Zugang zu innovativen Therapien ermöglichen und ist mit einer besonders engmaschigen Betreuung durch spezialisierte Studienteams verbunden. Regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen sorgen für eine umfassende Information über den eigenen Gesundheitszustand. Gleichzeitig leisten Studienteilnehmer:innen einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Behandlung: Die im Rahmen klinischer Studien gewonnenen Erkenntnisse helfen dabei, Therapien für zukünftige Patient:innen weiterzuentwickeln und sicherer und wirksamer zu machen.
Bedeutung für Gesundheitssystem und Forschungsstandort
Klinische Studien bieten dabei nicht nur Vorteile für Patient:innen. Auch für das Gesundheitssystem und den Forschungsstandort sind sie von zentraler Bedeutung: Sie tragen zur Entlastung des Gesundheitssystems bei, bringen Innovationen frühzeitig in die klinische Versorgung und schaffen qualifizierte Arbeitsplätze. Zudem erleichtern klinische Studien die spätere breite Anwendung neuer Therapien („Uptake“): Wenn ein neues Medikament im Rahmen einer Studie bereits an einem Zentrum eingesetzt wurde, verfügen Ärzt:innen, Studien- und Pflegepersonal dort bereits über praktische Erfahrung mit der Anwendung und kennen mögliche Nebenwirkungen und deren Management. Dieses Wissen kann die Integration der neuen Therapie in die klinische Routine erleichtern.
Die Perspektive eines Studienteilnehmers
Wie sich eine Studienteilnahme für Patienten konkret anfühlen kann, schilderte DI Dr. Karl Masser aus eigener Erfahrung. Als Patient mit Multiplem Myelom nahm er an einer klinischen Studie teil. Die Behandlung war zwar zeitlich aufwendiger, zugleich fühlte er sich durch die kontinuierliche Betreuung im Studienteam immer sehr gut aufgehoben.
„Eine Studienteilnahme hilft der Menschheit, aber sie hilft auch dem Patienten“, brachte es Priv.-Doz.in Dr.in Kathrin Strasser-Weipll, MBA, auf den Punkt.
Was braucht es, damit klinische Forschung stärker in die Versorgung integriert werden kann?
Aus Sicht des Österreichischen Onkologie Forums braucht es:
- mehr Information für Patient:innen und die Öffentlichkeit
- weniger administrative Hürden
- klarere Vertrags- und Kostenstrukturen
- eine stärkere Vernetzung der Studienzentren
OeGHO und ABCSG haben im Rahmen des Österreichischen Onkologie Forums konkrete, niederschwellige Verbesserungspotenziale identifiziert und bereits in ihrem Positionspapier veröffentlicht.
Onkologische Studienplattform
Die OeGHO stellte zudem ihre Initiative für eine Onkologische Studienplattform vor. Die Plattform soll künftig rekrutierende Studien in Österreich sichtbar machen und die überregionale Studienrekrutierung erleichtern. Vorgesehen sind eine Datenbank für rekrutierende klinische Studien in Onkologie und Hämatologie, der direkte Input der Studienzentren sowie die Möglichkeit zur direkten Kontaktaufnahme mit den jeweiligen Studienteams.
ABCSG bringt Perspektive der Brust- und Darmkrebsforschung ein
Für die ABCSG nahm Präsident Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant an der Pressekonferenz teil und brachte die Perspektive der akademischen klinischen Forschung im Bereich Mamma- und kolorektales Karzinom ein. Sein Appell: „Innovation Leader, nicht Innovation Follower sein.“
Rückfragen bitte an
Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie (OeGHO)
Walter Voitl-Bliem
+43 664 4053646




Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant | Präsident der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG)
Prim. Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll | Präsident der OeGHO; Ärztlicher Direktor, Leiter Innere Medizin, Krankenhaus St. Vinzenz, Zams
Priv.-Doz.in Dr.in Kathrin Strasser-Weippl, MBA | Medizinische Leitung OeGHO, Leiterin des
Tumorzentrum Oberösterreich
DI Dr. Karl Masser | Patient mit Multiplem Myelom und Studienteilnehmer
©OeGHO/APA-Fotoservice/Roland Rudolph
30.09.2026
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